Das Projekt geht dem sich gegenwärtig vollziehenden Wandel des Tourismusbegriffs nach am Beispiel der in den letzten Jahren rasant gewachsenen Tourismusindustrie rund um die geschlossene Zone von Tschernobyl.
2009 wurde das ungewöhnliche Reiseziel in das Angebotskatalog des Schweizer Reiseunternehmens Kuoni unter dem Label Ananea aufgenommen, die der Reiseanbieter in Zusammenarbeit mit der Wohltätigkeits-NGO Green Cross unter dem Titel Eine berührende Studienreise durchführt. Die aktuelle Werbebroschüre von Kuoni Travel beschreibt das Angebot mit folgenden Worten:
Schönheit und unsichtbare Bedrohung liegen hier nah beieinander. Ein Besuch von Tschernobyl ist eine Grenzerfahrung für den Reisenden und ein Wagnis für einen Reiseveranstalter. Wir sind dieses Wagnis eingegangen, weil wir unseren Anspruch nach Authentizität ernst nehmen und weil wir finden, dass ein Reiseveranstalter seinen Gästen, will er ihnen wirklich die Vielfalt der Welt mit all ihren Facetten zeigen, auch schwierige oder unbequeme Ziele nicht vorenthalten darf. (Kuoni Travel 2009: 2)
Doch welche Beweggründe animieren Menschen dazu, Reisen in Katastrophengebiete zu unternehmen, welche Risiken werden hierbei in Kauf genommen und welche gesellschaftlichen Tendenzen lassen sich an diesem Phänomen ablesen?
Die operative Phase des Projektes beginnt mit der von Kuoni im April 2011 angebotenen Gruppenreise. Teilnehmende einer Schweizer Reisegruppe werden auf ihrer Tour in die gesperrte Zone begleitet, beobachtet und befragt. Das Projekt konstituiert sich in der Überschneidung zweier Disziplinen – der Bildenden Kunst und der Sozialwissenschaft. Die Gewinnung, Auswertung, Bearbeitung und Veröffentlichung des gesammelten Materials beruhen somit auf den Verfahren der kunstbasierten Forschung und beziehen zugleich auf dem Gebiet der Sozialen Arbeit relevante sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden mit ein.